Aus dem Leben gegriffen: Das mache ich mit links!

Linkshänder schreibt

Linkshändersein ist irgendwie cool. Immer ist man ein bisschen anders als die anderen. Davon mal abgesehen, dass die meisten die Existenz des Linkshänders sowieso ignorieren (wer könnte es ihnen verübeln, es sind eben Rechtshänder), ist das Leben eines Linkshänders ziemlich entspannt. Wohlgemerkt: So lange er zum Schreiben, Werken und Tun die Hand benutzen darf, die er gerne benutzen will. Klingt selbstverständlich? War allerdings nicht immer so. Welche Erlebnisse Linkshänder heute und früher, in unserer Kultur und in anderen Kulturen haben können, darüber gibt es hier einen Erfahrungs- und Tatsachenbericht.

Spiegelschrift und kreativ sein - Das können Linkshänder. Manchmal.

"Wenn ich dir beim Schreiben zuschaue, wird mir ganz schlecht!" Dieser entsetzte Ausruf meiner Mutter verfolgt mich seit meiner Kindheit und ich denke mit Schrecken daran. Wie? Warum? Irgendetwas war komisch, wenn ich meinen Namen schrieb, ein Bild malte, den Löffel hielt oder eine Flasche aufdrehen wollte. Irgendwann dämmerte es mir, was da vor allen Dingen bei meinen Erziehungsberechtigten das nackte Grauen auslöste. Schon seit meiner Kindheit war die Sache sonnenklar: Ich war Linkshänder. Einfach so und ganz spontan. Eigentlich schön, wenn man von seinem Kind behaupten kann: "Unser Sonnenschein? Macht alles mit links. Überhaupt gar kein Problem." Aber so wörtlich sollte es dann wohl doch nicht sein.

Spiegelschrift mit Links

Spiegelschrift und gespiegelte Spiegelschrift

Dass das Linkshänderdasein gewisse Kuriositäten mit sich brachte, war schon im Kindergarten offensichtlich. Und als die ersten Versuche, den eigenen Namen zu schreiben, mit einem fein und säuberlich gemalten Wort endeten - spiegelverkehrt und von rechts nach links aufs Papier gebracht - da sahen meine Eltern wohl schon mein Schicksal auf der Förderschule vor sich. Vielleicht sollte das Kind doch lieber seinen Namen tanzen als ihn zu schreiben. Macht ja nix, Linkshänder sind eben besonders kreativ. Normale Schulbildung wird überbewertet. "Wenn ich dir beim Schreiben zuschaue, wird mir ganz schlecht!" Dieser Satz machte mir ehrlich gesagt ein bisschen Angst. Aber obwohl ich Singen und Klatschen noch nie so übel fand und obwohl ich meinen Namen auch gerne einmal tanzen würde, wenn er nicht so lang wäre, lernte ich in einer ganz normalen Schule tatsächlich ganz normal Rechnen und sogar auch ganz normal Schreiben - wie jedes andere, normale Kind auch.

Gott sei Dank wurde meinem Lehrer nicht ganz schlecht, wenn er mir beim Schreiben zuschauen musste. Stoisch wies er mich lediglich mit vorwurfsvollem Unterton auf die verschmierten i-Punkte in meinen Klassenarbeiten hin. Letztendlich behielt ich nach meiner Schulzeit keine größeren Schäden durch meine Linkshändigkeit zurück. Blaue Handkanten, verwischte i-Punkte und die ewige Suche nach einem Linkshänderfüller (schließlich hatte man mein Schicksal irgendwann akzeptiert und versuchte anschließend, das Beste daraus zu machen) sind kleine Erinnerungen an die Probleme, die andere nicht hatten. Ein Problem, das meine Sitznachbarin immer mehr oder weniger unfreiwillig mit mir teilte, war höchstens das gelegentliche Zusammenstoßen unserer Ellenbogen beim Diktat. Irgendwann wurde auch auf diesen Sachverhalt reagiert, der Sitzplan vorausschauend angefertigt und so musste mein Motto seitdem heißen: „Mein linker, linker Platz ist frei.“

Mein Opa, ein Hammer und die Diskriminierung

Linkshänder

Auch Opas können Linkshänder sein

Linkshändigkeit beschäftigt mich in meinem Leben ein wenig, jedoch nicht übermäßig. Meine (überaus unrepräsentativen) Studien am eigenen Stammbaum legen den Schluss nahe, dass Linkshändigkeit vererbt werden muss. Mit zwei Großvätern, die Linkshänder sind, zwei jüngeren linkshändigen Brüdern und Cousinen, die auch diese Hand zum Schreiben nutzen, scheine ich nicht aus der Art zu schlagen. Vielmehr scheint das Linkshändertum doch irgendwo in unserem Erbgut sein Unwesen zu treiben. Nur mit dem Unterschied, dass wir Enkel einen Vorteil vor unseren Großeltern haben. Im Gegensatz zu uns durfte die Generation meiner Großväter eben nicht alles mit links machen, auch wenn sie das gerne gewollt hätte. Es war meinen Großvätern verboten, den Nagel mit links ins Holz zu schlagen. Sie mussten umlernen, den Hammer stets rechts halten und sich deshalb mehr als einmal unnötig auf den linken Daumen schlagen. Sie mussten in der Schule unter Tränen Stockschläge kassieren, wenn der Stift nicht in der rechten Hand war. Da haben wir es heute doch besser.

Ob dieser Ungerechtigkeit stellt sich natürlich irgendwie die Frage, was denn an der linken Seite so schlimm ist. Ein Blick auf die Sprache lässt bereits eine latente Abneigung deutlich werden: Das Lexem "recht" hat als Vorzeigewort natürlich immer etwas mit dem Guten zu tun (es sei denn natürlich, man geht von der politischen Gesinnung aus). Es kommt vor in der Rechtsprechung, es bezeichnet Dinge als rechtens und Menschen als aufrichtig. Linkisch hingegen sind unaufrichtige Menschen, man lässt eine uninteressante Sache immer links liegen oder ist mit dem linken Fuß zuerst aufgestanden, wenn man schlechte Laune hat. Und das ist keineswegs nur im Deutschen so. Dass links gleich schlecht ist, scheint ein globales Phänomen zu sein. Man denke nur an droite und gauche im Französischen. Während droit die Rechtsprechung betrifft, bezeichnet gauche nicht nur die linke Seite, sondern auch eine ungeschickte Person. Auch in der englischen Sprache bezieht sich right auf das Richtige und die Rechtsprechung, während das Wort left etymologisch auf die Bezeichnung für ungeschickt zurückgeht. Na toll.

Rechts und Links in verschiedenen Sprachen

Linkshänder haben es überall schlecht...

Womöglich ist diese Einteilung darauf zurückzuführen, dass der Mensch schon immer ein Faible dafür hatte, Dinge einzuordnen: in Gut und Schlecht, in Richtig und Falsch und in Dürfen und Nicht-Dürfen - oder eben in Links und Rechts. Letzteres bot sich sozusagen an. Glaubt man der Forschung, waren Linkshänder zahlenmäßig schon immer tendenziell in der Minderheit, was sie zu einem leichten Ziel in Sachen Diskriminierung machte. Religionen und sonstige kulturelle Gepflogenheiten taten und tun ihr Übriges. Laut christlichem Glaubensbekenntnis beispielsweise sitzt Jesus zur Rechten Gottes. Und wer sitzt links? Das weiß man nicht so genau. Wahrscheinlich ein armer Sünder. Aber ist ja auch egal. Auch in der Antike konnte von der linken Seite nichts Gutes kommen und besonders in der arabischen Welt ist es bis heute ein Faux-Pas, Dinge mit der linken Hand zu erledigen, mit links zu grüßen oder zu essen. Sie gilt nämlich als unrein, nicht zuletzt deshalb, weil sie typischerweise zur Körperhygiene im unteren hinteren Bereich verwendet wird - wenn Sie wissen, was ich meine. Beim Urlaub in arabischen und einigen asiatischen Ländern sollten Sie die linke Hand deshalb am besten einfach ruhigstellen. Immerhin die japanische Glückskatze darf ab und zu auch mit links winken. Wenn die Katze nämlich diese Hand benutzt, ist sie im Laden ein Garant für Kundschaft und gute Geschäfte.

Wie wird man eigentlich Linkshänder?

Ob ein Mensch Linkshänder ist oder nicht, hängt wohl von seinem Gehirn ab. Wie sollte es auch anders sein. Bei Linkshändern, so sagt man, ist die rechte Hirnhälfte aktiver. Bei Rechtshändern die linke. Wie genau es aber dazu kommt und ob diese Aussage immer so eindeutig ist, steht nicht wirklich fest. Genauso ungenau ist das Spekulieren über die Menge an Linkshändern weltweit. Wieviele Lefties es auf der Welt gibt, das kann aus mehreren Gründen nur vermutet werden. Zum Einen wurden Linkshänder, wie erwähnt, kulturell geringgeschätzt, unterdrückt oder umerzogen. Deshalb sind repräsentative Befragungen schlecht möglich. Andererseits gibt es die These, dass eigentlich kaum ein Mensch ganz Linkshänder oder komplett Rechtshänder ist. Überlegen Sie mal: Machen Sie wirklich immer alles mit der selben Hand? Ich als Linkshänder mache einige Dinge intuitiv mit der rechten Hand. Werfen zum Beispiel (auch wenn ich damit über eine Siegerurkunde nie hinaus gekommen bin). Vielleicht gibt es andersherum auch Menschen, die zwar automatisch mit rechts schreiben, aber letztendlich doch alles andere mit links machen? Sind diese Zeitgenossen dann Links- oder Rechtshänder? Was meinen Sie?

Ungeschickt? Ich doch nicht...

Computermaus auf der linken Seite

Maus links? Machen auch manche...

Wie dem auch sei, als Linkshänder lernt man, in einer von Rechtshändern für Rechtshänder gemachten Welt flexibel zu bleiben. Das Öffnen eines Schraubverschlusses kann zur Herausforderung werden. Ja, selbst Bumerangs waren bisher nur für Rechtshänder konzipiert, bis sich ein erfindungsreicher Linkshänder vor einigen Jahren erbarmte und ein Wurfholz konstruierte, das von Links- und Rechtshändern benutzt werden kann. Wer als Kind, so wie ich, nicht die Möglichkeit hatte, im "Leftorium" von Ned Flanders oder einem vergleichbaren Linkshänderladen einzukaufen und deshalb ohne spezielle Gerätschaften wie Linkshänderscheren, Dosenöffner für Linkshänder, Computermäuse für die linke Seite, Gartenscheren und umgedrehte Tastaturen auskommen musste, kann heute womöglich geschickter mit beiden Händen Dinge erledigen. Zumindest bilde ich mir das ein. Vielleicht bin ich auch mit beiden Händen gleich ungeschickt. Man weiß es nicht.

Fest steht jedenfalls, dass das Umlernen von Links nach Rechts (und umgekehrt natürlich auch von Rechts nach Links) nichts wirklich Gutes mit sich bringt. Für das Gehirn ist dieses Umstöpseln der Synapsen riesiger Stress, der nicht selten mit gewissen Komplikationen einhergeht. Wer vor einigen Jahren den auf Fakten beruhenden Film "The King`s Speech" geschaut hat, kennt den stotternden britischen König Georg VI. und dessen Bemühungen, die Sprachstörung aus seinem Leben zu verbannen. Das Stottern hatte der Vater von Queen Elizabeth vermutlich seiner Umerziehung vom Linkshänder zum Rechtshänder zu verdanken. Man stelle sich vor, der König hätte als Kind einfach linkshändig bleiben dürfen. Dann hätte er nicht gestottert - und Colin Firth hätte 70 Jahre später keinen Oscar für seine Darstellung des Königs mit Sprechfehler erhalten. Tja.

Aber zurück zum Thema. Apropos ungeschickt. Weil es bei uns Linkshändern manchmal doch etwas komisch aussieht, wenn wir uns in einer von Rechtshändern dominierten Welt bewegen, werden wir häufig als tollpatschig, ungeschickt oder sonst irgendwie komisch wahrgenommen. Ganz zu Unrecht natürlich! An dieser Stelle möchte ich nochmals an meinen Opa mit dem Hammer erinnern: Er hat sich also mit der rechten Hand vielleicht häufiger auf den linken Daumen geschlagen. Dass ein Rechtshänder, der plötzlich mit der linken Hand hämmern muss, sich mindestens genau so häufig auf die rechte Hand schlagen würde, das ist wohl klar. Der Knackpunkt bei der Sache ist nur, dass es eben niemand von ihm verlangt. Mein Opa, der als Kind von links nach rechts umlernen musste, hat seine Computermaus übrigens auf der linken Seite des Computers platziert. So ganz scheint das Umgewöhnen also nicht geklappt zu haben. Gott sei Dank.

Linkshänder punkten mit der Verwirrungstaktik

Linkshänder Tischtennis

Immerhin im Sport haben Linkshänder Vorteile

In einigen Sportarten sind Linkshänder immerhin gefürchtet. Beim Tennis, Badminton, Fechten oder Tischtennis etwa ist das Spielen oder Kämpfen mit der linken Hand eine gelungene Verwirrungsstrategie, um den Gegner aus dem Konzept zu bringen, wenn er die Welt plötzlich gespiegelt vor sich hat. Bekannte linkshändige Sportler sind etwa Timo Boll im Tischtennis oder John McEnroe im Tennis.

Beim Blick auf die berühmten Linkshänder dieser Welt fällt unter anderem auf, dass besonders viele US-Präsidenten (und auch Bewerber um das Amt) Linkshänder waren. Betrachtet man die fünf letzten US-Präsidenten Reagan, Bush Sr., Clinton, Bush Jr. und Obama, so waren vier davon Linkshänder. Drei Mal dürfen Sie raten, wer der Rechtshänder ist... genau: George W. Bush. Ob die Händigkeit eine Person zu einer Führungsposition befähigt? Ich glaube es nicht, aber vielleicht sollte ich mich bei der nächsten Bundestagswahl als Spitzenkandidat aufstellen lassen. Vielleicht ja für die Linke. Vielleicht aber auch nicht. Ok, ob man als Linkshänder auch einen Hang zum Kalauer hat, bleibt an dieser Stelle eine offene Frage. Bevor es allerdings noch mehr Wortwitz gibt, schließe ich diese Exkursion in die spiegelverkehrte linkshändige Welt mit einer Liste bekannter Linkshänder. Es soll ja schließlich nicht so aussehen, als ob man als Linkshänder für immer ein schmierendes, ungeschicktes, stotterndes Häuflein Elend bleiben muss, das sich mit dem Hammer auf den Daumen schlägt.

Und zum Schluss: Diese Menschen sind Linkshänder...

Bekannte Linkshänder wären dann also zum Beispiel:

Douglas Adams, Mario Adorf, Alexander der Große, Hans Christian Andersen, Neil Armstrong, Fred Astaire, Kim Basinger, Ludwig van Beethoven, Dieter Bohlen, Timo Boll, David Bowie, George Bush sen., Julius Cäsar, Prinz Charles, Howard Carpendale, Jim Carrey, Fidel Castro, Charlie Chaplin, Winston Churchill, Bill Clinton, Kurt Cobain, Joe Cocker, Phil Collins, Tom Cruise, Marie Curie, Celin Dion, Albrecht Dürer, Bob Dylan, Albert Einstein, Giovane Elber, Eminem, Heinz Erhardt, Ned Flanders, Benjamin Franklin, Caspar David Friedrich, Clark Gable, Greta Garbo, Art Garfunkel, Bill Gates, Jean-Paul Gaultier, Mahatma Gandhi, Uri Geller, Georg VI.,, Johann Wolfgang von Goethe, Whoopi Goldberg, Mario Gómez, Günther Grass, Heinrich Heine, Jimi Hendrix, Andreas Herzog, Klaas Heufer-Umlauf, Hans Holbein, Mareile Höppner, Victor Hugo, Hugh Jackman, Marcell Jansen, Steve Jobs, Scarlett Johansson, Angelina Jolie, Wolfgang Joop, Heidi Kabel, Franz Kafka, Karl der Große, Erich Kästner, Hape Kerkeling, Johannes B. Kerner, Nicole Kidman, Stefan Kießling, Klaus Kinski, Paul Klee, Claudia Kleinert, Toni Kroos, Lady GaGa, Karl Lagerfeld, Annie Lennox, Jay Leno, Leonardo da Vinci, Joachim Löw, Shirley MacLaine, Diego Maradona, Mireille Mathieu, Paul McCartney, John McEnroe, Michelangelo, Axel Milberg, Marylin Monroe, Demi Moore, Wolfgang Amadeus Mozart, Napoleon Bonaparte, Martina Navrátilová, Robert De Niro, Barack Obama, Mary-Kate Olsen, Cem Özdemir, Mesut Özil , Pablo Picasso, Pink, Brad Pitt, Iggy Pop, Cole Porter, Ronald Reagan, Robert Redford, Keanu Reeves, Pierre-Auguste Renoir, Marco Reus, Franck Ribéry, Arjen Robben, Julia Roberts, Margarethe Schreinemakers, Gerhard Schröder, Florian Silbereisen, Paul Simon, Sylvester Stallone, Ringo Starr, Franz Josef Strauß, Leo Tolstoi, Henri de Toulouse Lautrec, Mark Twain, Christian Ude, Susanne Uhlen, Peter Ustinov, Jürgen Vogel, Mark Wahlberg, Prinz William, Bruce Willis, Owen Willson, Oprah Winfrey, Klaus Wowereit

P.S.: Wer hier berühmte Rechtshänder sucht, wird leider enttäuscht. Einen Tipp haben wir trotzdem: Mutmaßlich sind bekannte Rechtshänder wahrscheinlich alle, die keine berühmten Linkshänder sind...

Die Autorin dieser Kolumne ist Mitglied der Wandtattoo.de-Redaktion und fühlt sich im Arbeitsalltag nicht diskriminiert: Sie darf die Computermaus links und rechts benutzen. Wenn sie am Schraubverschluss einer Flasche scheitert, wird ihr bereitwillig geholfen. Alles in allem fühlt sie sich als Linkshänder wohl.

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Unsere Wandtattoos wurden u.a. hier vorgestellt:

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